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MoneyMuseum Thesen

über Geld

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Geld existiert seit 500 Jahren

Unser modernes Geld ist zu Ende des Mittelalters in Europa entstanden, als die Feudalwirtschaft zu Ende ging und die Marktwirtschaft aufkam. Im Mittelalter benutzte man Münzen, von gr. nummus = Normierung. Man sprach von Gelt, von gelten, abgelten.

Das Überleben des Einzelnen hängte nicht von Münzen ab. Abgelten und Vergelten konnte man auch mit andern Gegenständen als Münzen. Märkte gab es auch, auf denen man Waren mit Münzen kaufen konnte; aber flächendeckend waren sie nie. Ein Aufbau von Geschäften, die Profit machen mussten, waren unbekannt.

Für die Entwicklung unseres Geldes war der Nationalstaat entscheidend: dieser konnte ein Münz- und Geldmonopol erzwingen, und ohne Geldmonopol kein Geld im moderne Sinn.

Geld ist nicht aus dem Tausch entstanden

Tausch spielte in der traditionellen Gesellschaft eine untergeordnete Rolle. In der Antike und im Mittelalter war der Tausch bekannt, aber nie entscheidend für die Menschen. Man unterschied zwischen Tausch mit Fremden und Tausch mit Freunden.

Tausch mit Freunden war streng nicht-liquidierend, d. h. der Tausch vollzog sich nicht nach einem festen Preis, sondern die zwei Seiten waren und blieben leicht unausgeglichen. Freundschaftspreis könnte man sagen. Höker dagegen nannte man Leute, die mit Geld liquidierenden Handel betrieben, Kleinhändler. Sie mussten aus Münzen mehr Münzen machen, eine Sünde im Mittelalter. Sie wurden gering-geschätzt. Um 1500 setzte ein Wandel ein. 

Geld ist zu einem Medium geworden

Geld ist ein Tauschmittel, ein spezielles Tauschmittel. Es ist ein Medium geworden mit sozialen und kulturellen Implikationen. Marktwirtschaft ist Geldwirtschaft.

Zum Erklären dient die Analogie vom Fisch im Wasser; der Fisch merkt das Wasser erst, wenn keines mehr da ist. So ist der moderne Mensch umgeben vom Geldsystem, es leitet ihn und zwingt ihn nach der Logik des Geldes zu handeln – ohne dass er sich dessen bewusst ist. 

Eine Geldtheorie wird dringend benötigt

Benötigt wird eine Geldtheorie, die interdisziplinär arbeitet, die auf unterschiedlichsten Perspektiven beruht. Sie soll nicht nur die Funktionsweise des Geldes erklären, sondern auch Eigenschaften des Geldes aufzeigen, die Wirkungsweise und Folgen des Geldsystems, die inneren Zwänge, die Vor- und Nachteile.

Die universitäre Entwicklung hat sich in die gegenteilige Richtung entwickelt: immer stärker in die Spezialisierung, immer weniger geneigt zum interdisziplinären Teamwork. So hat sich der Ökonom vom Philosophen Adam Smith, dem Begründer der modernen Ökonomie, zum mathematisch ausgebildeten Spezialisten entwickelt, der nur Messbares gelten lassen kann. 

Die Zukunft des Geldes hängt von Eigentum und Geldmonopol ab

Das heutige Geld ist an das Geldmonopol des Nationalstaates gebunden sowie an das unbedingte Privateigentum. Privateigentum und Geldmonopol bedingen einander. Der moderne Mensch soll einem andern Eigentümer alles abkaufen können, aber nur mit staatlichem Geld. Ohne klar definierte Eigentumsrechte funktioniert die kapitalistische Welt schlecht. Beispiele dazu gibt es an vielen Orten dieser Welt.

Der Wachstumszwang in der Wirtschaft kommt weder vom Zins noch von der menschlichen Gier

Der Zwang zum Wachstum in der modernen Wirtschaft kommt von der Tatsache, dass Güter verbraucht werden nach der Transaktion, Geld aber nicht.

Nach dem Restaurant-Besuch zum Beispiel ist der Teller leer, die Flasche ausgetrunken; aber das Geld, das ich dem Wirt dafür bezahlt habe? Es existiert weiter. Der Wirt wird es ausgeben, um Produkte und Dienstleistungen einzukaufen. Das Geld wird immer wieder Eigentum eines andern, und jeder Eigentümer muss es auf seine Weise vermehren. So häuft sich Geld exponentiell an. Der Ökonom spricht von Geldumlauf-Geschwindigkeit und misst nur das ursprünglich ausgegebene Geld. 

Das moderne Geld ist Kreditgeld

Schon kurz nach 1500 war das Kreditvolumen grösser als das Münzvolumen. Denn die wirtschaftlichen Aktivitäten nahmen zu, die umlaufenden Münzen konnten den Bedarf oft nicht decken. So schrieb man an, d. h. das Kreditvolumen nahm zu. Aber mit Kreditgeld braucht es eine immer grössere Finanzwirtschaft, da die reale Wirtschaft keinen gleichzeitigen Bedarf hat für so viel Geld. Börsen entstanden nach 1600.

Geld in der Finanzwelt ist eigentlich kein Geld, man bezeichnet es als Finanzen; nur für einen kurzen Augenblick, wenn Finanzen in Geld gewechselt werden für einen Tausch in der realen Welt, ist es Geld, um gleich wieder in der Finanzwelt nach weiteren Profitmöglichkeiten Ausschau zu halten. 

Geld muss zu mehr Geld werden

Geld ist Kapital, das wachsen muss. Das ist der grosse Unterschied zu Antike und Mittelalter: dort dienten die Münzen nicht als Kapital, nicht zum Erreichen eines Profits. In der «neuen Zeit» aber begann Geld plötzlich als Kapital zu dienen, das auf Profit aus ist. Es gab einer ganzen Periode den Namen: Kapitalismus.

Geld bringt Verfügungs-Macht über die Arbeitskraft anderer

Die einen verfügen über Eigentum, das sie verkaufen können, um an das benötigte Geld zu kommen. Die meisten Menschen haben aber nur sich selber, ihre Arbeitskraft. Die allermeisten sehen sich gezwungen, die eigene Arbeitskraft einem andern gegen Geld zur Verfügung zu stellen. Denn ohne Geld ist nicht ans Überleben in der modernen Gesellschaft zu denken. Damit bringt Geld Verfügungsmacht über die Arbeitskraft anderer. 

Geld bedingt die soziale Ausschliessung

Was Menschen über Geld bekommen, und das ist fast alles, davon müssen sie vorher ausgeschlossen werden. Damit sie es kaufen können, mit Geld. Durch die ungleiche Verteilung des Geldes aber fühlt sich manch einer sozial ausgeschlossen, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, abhängig von der sozialen Integrierung in eine grössere Gemeinschaft. Wir nennen es Spaltung der Gesellschaft, ein soziales Problem, das sich heute vermehrt bemerkbar macht.  

Geld bedingt Konkurrenz

Geld bedingt Konkurrenz unter den Mensch, da jeder zu Geld kommen muss von andern, genau wie jeder andere auch. So wird jeder andere, der eine ähnliche Dienstleistung erbringt oder Produkt verkauft, zu meinem potentiellen Konkurrenten. Es ist leicht vorzustellen, was für eine Gesellschaft sich tendenziell daraus entwickelt. 

Geld erzeugt eine bestimmte Denkform

Der moderne Mensch denkt «in Geld», das heisst er reduziert das meiste auf einen Massstab. Dieser Massstab ist eine reine Zahl.

Je umfassender der Umgang mit Geld, desto stärker dieser Reflex, alles in einer Einheit zu sehen – quantifizierbar, aber ohne Inhalt. Wir nennen es das funktionale Denken, bei dem der Inhalt beliebig aus- tauschbar ist. Dieses Denken tendiert dazu auch dort angewendet zu werden, wo es sich gar nicht um eine Geldtransaktion dreht.